Seit Jahrzehnten ist die Quarzsand GmbH Nudersdorf, wie deren Rechtsvorgänger, mit dem Abbau von Quarzsanden im Bereich des Wittenberger Vorflämings beschäftigt. Die als durchaus schwierig zu bezeichnende geologische Situation, im Zusammenhang mit der Abbautätigkeit, hat die Landschaft geprägt. So sind durch eiszeitliche Stauchungen markante Faltungen, man spricht von Mulden- und Sattelstrukturen, entstanden. Die darin enthaltenen tertiären Sande sind bis an die Oberfläche gedrückt worden. Sie stellen einen Hauptteil der abbauwürdigen Vorräte dar. In Folge des Quarzsandbergbaues sind Folgelandschaften entstanden, die in Ihrer Art als besonders einzuschätzen sind. Bereits ab 1982 wurden vom damaligen Kulturbund in der DDR, Fachgruppe Feldherpetologie, systematische Untersuchungen zu Amphibien begonnen, die sich in den Folgelandschaften ansiedelten.
Nachgewiesen wurden u.a.:
Kreuzkröte
Knoblauchkröte
Erdkröte
Kammolch (zeitweilig)
Teichmolch
Nach der politischen Wende 1989 engagierte sich der NABU, Kreisverband Wittenberg e.V. in diesem Bereích. Recht zeitig kam es hier zur Zusammenarbeit mit der Quarzsand GmbH Nudersdorf. Am 15.11.1995 wurde ein Gestattungsvertrag abgeschlossen, der es dem NABU erlaubt, einen nicht rekultivierten Alttagebau (Neue Grube B) auf einer Fläche von ca. 40.000 m² für naturschutzfachliche Aktivitäten zu nutzen. Die Fläche ist nach wie vor Eigentum der Quarzsand GmbH Nudersdorf. Diese Zusammenarbeit trug dann bald erste Früchte. So wurden im Herbst 1998 im Tagebau Grube G, der einem Abschlußbetriebsplan unterliegt, Pflanzenarten der Roten Liste nachgewiesen. Dies waren:
Heide Segge (Carex ericetorum) und
Bauernsenf (Teesdalia nudicaulis)
Im Zuge der Verkippung von natürlichen Waschwasserrückständen aus der Aufbereitung, stand die Frage der weiteren Verfahrensweise. Hier half die o. g. vertragliche Vereinbarung. Es wurde festgelegt, und umgesetzt, die Pflanzen in der nächsten Vegetationsperiode schrittweise umzusiedeln.So wurde mögliches Konfliktpotential entschärft und ein beidseitig tragfähiger Kompromiss wirksam. Im Jahr 2011 wurde nun ein schon länger gehegter Wunsch des Gesellschafters der Quarzsand GmbH Nudersdorf umgesetzt. Die Verbindung von Quarzsandabbau und Renaturierung sollte im aktuellen Abbaugebiet, der Lagerstätte I-Westfeld beleuchtet werden. Hier kam es zu sehr interessanten Feststellungen. Vom Fotograf und Fauna-Fachmann des NABU Wittenberg, Herr A. Korschefsky, erhielt ich eine Mail, u. a. mit folgendem Inhalt:
„Fachlich ist die Grube ein Juwel der Extra-Klasse. Im Anhang finden Sie eine Aufstellung der gefundenen Wert-Parameter. So können Sie sich schon mal an den Gedanken gewöhnen, Chef über einen Biotop zu sein, der mit Frauenschuh und Co. auf "Augenhöhe" rangiert.“
Unter Anderem wurde ein Rhynchosporion Lebensraumtyp mit Massenbeständen (ca. 2.000 Exemplare) der Charakterart Moorbärlapp gefunden. Die Rote Liste der Biotoptypen Sachsen-Anhalt stellt diesen Lebensraumtyp unter die Kategorie: „von vollständiger Vernichtung bedroht“ Moorbärlapp (Lycopodiella inundata) ist eine Pflanze, die sehr selten und gefährdet ist. In der Roten Liste der Bundesrepublik Deutschland, Kategorie „gefährdet“; In der Roten Liste Sachsen-Anhalt, Kategorie „vom Aussterben bedroht“. -Geschützte Art nach der Bundesartenschutzverordnung; -Geschützte Art von gemeinschaftlichem Interesse nach Anhang V der FFH-Richtlinie Aus der umfangreichen Fotodokumentation wurden dann die Bilder ausgewählt, und dieser Kalender gestaltet. Darüber hinaus wurde eine 48-seitige Dokumentation erstellt. Sie trägt den Titel
„Dokumentation der Naturausstattung des Wittenberger Vorflämings im Kontext zu Bergbau-Folgelandschaften“
Neben einer verbalen Beschreibung der Grundlagen (Geologie; Böden; Hydrogeologie) werden Pflanzengesellschaften und Biotoptypen beleuchtet und deren Beeinträchtigungen eingeschätzt. Breiten Raum nehmen die Erfassungsbögen für FFH – Lebensraumtypen und eine umfangreiche Bilddokumentation ein. Die Arbeit ist eine sehr gute Grundlage bei der Bewertung der Bergbaufolgelandschaften und bei der weiteren Arbeit der Quarzsand GmbH Nudersdorf im Rahmen der bewrgrechtlichen Rekultivierungen.